An die
POK Pühringer Privatstiftung
Coburgbastei 4, Top
1010 Wien

z.Hd.
Herrn Dipl-Ing. Peter Pühringer
Frau Dipl-Ing. Karin Pühringer

Wien, 22. Juni 2008

Sehr geehrter Herr Dipl-Ing. Pühringer!
Sehr geehrte Frau Dipl-Ing. Pühringer!

Wir, die Augarten-Initiativen, haben mit Tausenden BürgerInnen gesprochen. Sie alle, wir alle treten für eine Nicht-Verbauung des sog. Augartenspitzes ein. Inzwischen stehen hinter der Forderung nach Nicht-Verbauung des Augartens, insbesondere des sog. Augartenspitzes, keineswegs nur die Anrainerinnen und Anrainer.

Daher treten wir im Namen aller dieser BürgerInnen heute an Sie heran, Ihren Ruf als Förderer von Kunst und Kultur nicht aufs Spiel zu setzen.

Zeitgenössische Architektur an diesem Platz bedeutet Zerstörung des barocken Ambiente. Auch wenn das Portiersgebäude (alias Gesindehaus) in die Planungen einbezogen würde, in irgendeiner Form erhalten bliebe, käme das Resultat einer Zerstörung des barocken Ensembles gleich.

Im Namen aller dieser BürgerInnen laden wir Sie eindringlich zu konstruktivem Miteinander ein.

Zur unversehrten Erhaltung des Augartens Wien.

Tragen Sie mit uns Corporate Social Responsibility!

Öffentliche Parkanlagen, öffentliche Gärten sind Ökonomie. Sie tragen einen – demnächst zu bewertenden – hohen Anteil an der Gesundheitsvorsorge und Gesunderhaltung der Bevölkerung.

Sie schrieben uns 2006, eines Ihrer Vorhaben im Rahmen des Konzerthallen-Neubaues im Augarten sei, Hirnforschung zu ermöglichen. Wenn die POK Pühringer Privatstiftung es Franz Welser-Möst gleich tun möchte, so ist dies sehr zu begrüßen.

In einem Printmedium war im Juni dazu zu lesen: …Die Zusammenarbeit mit der berühmten Cleveland Clinic und deren weltweit führenden Gehirnforschern ist ein Herzensanliegen des Dirigenten. Deshalb wird es heuer bei den Salzburger Festspielen am 18. August ein Symposium „Music and the Brain“ geben. www.musicandthebrain.com

Neue Universitäten, Hochschulen sind projektiert und werden in naher Zukunft im 2. und 20. Bezirk an neuen Standorten realisiert. Universitäre oder mit Universitäten kooperierende Forschungseinrichtungen gehören ebendorthin.

Weiters schrieben Sie uns am 24.Okt. 2006: „..daß wir (POK) Sorge haben, daß Kinder und Jugendliche nicht genug Chancen zur Persönlichkeits-, Weiter- und Ausbildung erhalten…“ „Ausschließlich aus diesem Grund – und nicht „nur“ für die Wiener Sängerknaben – soll ein Konzertsaal, ein sogenannter „KONZERTKRISTALL“ als „FÖRDER- UND AUSBILDUNGSFORUM“ für Kinder und Jugendliche errichtet werden.“

Etwa im neuen Stadtteil-Projekt NORDWESTBAHN-GELÄNDE; dort ist, wie Sie sich – noch bis 18.Juli – in der Gebietsbetreuung Allerheiligenplatz 11 in 1200 Wien informieren können, großzügig Raum für universitäre Einrichtungen vorgesehen. Im Siegerprojekt, einer Arbeit des Schweizer Architekten-Teams Ernst-Niklaus-Fausch Architekten (Zürich), enthalten. Im Bereich der äußeren Taborstraße, eine Straßenbahn-Haltestelle vom Palais Augarten und den Internats- bzw. Unterrichtsräumen der WSK entfernt. Dort sind auch die von Ihnen unter Punkt 2d/ SYNERGIEN angeführten Kooperationen mit zB Bösendorfer, Aktionsgemeinschaft ARGE Augarten, „Augarten-Porzellan“ und anderen potentiellen Nutzern realisierbar. Jegliche Gestaltung, jeglicher Raumbedarf sind dort möglich, inklusive des von Ihnen erwähnten Hirnforschungs-Projektes, Musik betreffend.

Zitat aus dem Printmedium Salzburger Nachrichten: „…besonders um die Jugend machen sich das Cleveland Orchestra und sein Chefdirigent verdient mit Schulprogrammen und Mentorschaft für begabte Musikstudenten…“

und – ebenso nachahmenswert –

„… der großzügige Spender von 5 Millionen Dollar… Ohne ihn wäre das von Welser-Möst betriebene EDUCATION-Project des Orchesters nicht möglich; damit werden u.a. AUFTRITTE IN SCHULEN finanziert.“ www.clevelandorch.com

So könnte es sein: Auftritte der WSK in Schulen. Die Musizierenden zu den jungen Menschen bringen. Statt die jungen Menschen in Bussen Hunderte von Kilometern durch Österreich zu karren, um ihnen dann ein ein- bis eineinhalb-stündiges Konzert anzubieten.

Dem WIENER KINDERTHEATER soll die Konzerthalle eine Heimstätte bieten: welche Herausforderung, nicht nur jenen 12.000 zukünftigen BewohnerInnen allein des Nordwestbahnhof-Geländes, darunter zahlreichen MigrantInnen mit ihrem intellektuellen und kreativen Potential, sondern auch allen anderen BrigittenauerInnen und LeopoldstädterInnen Chancen zu geben. An die 30.000 Kinder leben schon derzeit in diesen beiden Bezirken.

Wir sehen Sie als einen Freund und Förderer ALLER KINDER, der Musik- und Darstellenden Kunst und der Wissenschaft. Im Foyer einer solchen universitären Einrichtung stünde, Ihren Einsatz und Ihr Mäzenatentum rühmend, zu lesen: … dank des Weitblickes und der Menschenliebe eines Mannes aus der Wirtschaft, errichtet, eingerichtet von Dipl-Ing. Peter PÜHRINGER…

Weiters schrieben Sie uns am 24.Okt. 2006: „…wenn doch Gemeinsamkeiten offensichtlich, lediglich die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt sind…“

Sehr geehrter Herr DI Peter Pühringer, sehr geehrte Frau DI Pühringer !

Setzen wir doch gemeinsam(e) Schwerpunkte !

Es kam in den letzten Jahren, angesichts der Bedrohung des Juwels Augarten durch Bauprojekte, zu einer Sensibilisierung und vertieften Bewußtseinsbildung in der Bevölkerung, weit über das unmittelbare Umfeld des Augartens hinaus. Bewußtsein für die Irreversibiltät von (Bau-)Prozessen, für die Unverzichtbarkeit von innerstädtischem GRÜN, für unmittelbar damit zusammenhängenden Klimaschutz und für verantwortlichen Umgang mit Freiräumen. Aber auch Bewußtseinsbildung dafür, unser kulturelles Erbe nicht preiszugeben.

Noch ein Wort zu der von Ihnen angesprochenen G´stett´n. Sie hat eine Chronologie, die ebenso unrühmlich ist wie der Zustand des sog. Augartenspitz. Die G´stett´n ist eine Folge von schleichenden Eingriffen. Laut Bundesgärten-Direktorin Dipl-Ing. Mang unterließen die Bundesgärten die Pflege bzw. Wiederherstellung des sog. Augartenspitzes, mit einer Gesamtfläche von etwa 10.000 m2, aufgrund eines „Verwaltungsabkommens“ zw. Burghauptmannschaft und Bundesgärten. Weiters wurden seitens der Burghauptmannschaft Genehmigungen für die U-Bahn-Bauer ausgestellt, ihre Pkws sowie Kleintransporter durch Jahre auf dem Areal zu parken. Um Parkplätze dafür zu schaffen, hatten die Bundesgärten gerodet.Auch schon davor waren ansehnliche Bäume nächst der (denkmalgeschützten) Augartenmauer entlang der Castellezgasse in zwei Episoden gefällt worden mit der Begründung, ihre Wurzeln beschädigten die Augartenmauer. Nun soll allerdings ebendiese Mauer geschliffen werden, um einem Neubau Platz zu machen.

Wir, die Augarteninitiativen, setzen – unentgeltlich – Energien, Wissen, Fertigkeiten ein, um miteinander die Zukunft des Augartens zu gestalten; optimalerweise gemeinsam mit Ihnen.

Gerne laden alle Augarten-Initiativen Sie und die Schar Ihrer Enkelkinder ein, die Schönheiten dieses Naturgartens am sog. Augartenspitz im Ausmaß von etwa 7000 m2 im nächsten Frühling zu erkunden.

Wir freuen uns auf Ihre Antworten.

Die Freunde des Augartens Das Josefinische Erlustigungskomitee
Castellezgasse 29/23 Taborstraße 24a/2/22
1020 Wien 1020 Wien
www.baustopp.at www.erlustigung.org
Obfrau-Stv. Mag.a art Eva Hottenroth Mag.a art Raja Schwahn-Reichmann