Das Josefinische Erlustigungskomitee wurde Anfang des Jahres 2008 von lustig-listigen WienerInnen ins Leben gerufen, um barock-bacchantische Mahnwache über den Augarten, namentlich über das berühmte Augarten-Spitzerl zu halten. In einer „Eröffnungsrede“ erklärte eines der Gründungsmitglieder, Raja Schwahn-Reichmann, was das Josefinische Erlustigungskomitee mit seinen zahlreichen Aktivitäten insbesondere erreichen möchte (dazu auch sehenswert der Film „Augarten“).

Wir wollen auf lustvolle Weise auf die einzigartige Schönheit des Augartenspitzes (Eingang Filmarchiv, Ecke Obere Augartenstraße/ Castellezgasse) hinweisen, die nach jahrzehntelangem, unschuldigen Dasein zurzeit massiv davon bedroht ist, durch den Bau einer Konzerthalle für die Sängerknaben zerstört zu werden. Nicht nur würde dadurch einer der letzten noch in seiner Gesamtheit existierenden, denkmalgeschützten Barockgärten in seiner Pracht beschnitten, auch hätte Wien ein Stückchen Naturerholungsgebiet mitten in der Stadt weniger.

Mit unseren Barockfesten, wöchentlichen Mahnwachen, Erlustigungsmärschen oder Picknicks auf unserem geliebten, gemütlichen, grünen Juwel konnten wir jede Menge Menschen anlocken. Wir erfuhren dabei größtmögliche Zustimmung von BesucherInnen aus ganz Wien und sehr vielen TouristInnen aus aller Welt, die bislang schon an die 10.000(!) Protest-Unterschriften abgaben!

Mehr noch, im Sommer 2008 feierten wir gehörig (hier einige Fotos) unseren ersten, größeren Zwischenerfolg: Das heißumkämpfte, barocke Pförtnerhäuschen, das der Halle weichen sollte, darf nun doch nicht abgerissen werden – so hat es das Bundesdenkmalamt entschieden. Dafür gibt es neue Pläne, die die Halle knapp hinter der Mauer und dem barocken Haus sehen wollen. Da dies an der brutalen Verbauung nichts ändern würde, kämpfen wir weiter für die Erhaltung des grünen Augartens und für eine Nutzung, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünscht wird.

Wien, am 29.10.2008

Schwahn-Reichmanns Rede im März 2008

Überall, wo man sich im Augarten aufhält und an Theodor Kramer denkt: Das Wichtige ist die Poesie. Ich bin ja auch Stadträtin für Puff und Paradies in der AugartenStadt, in dieser Funktion für alles Schöne zuständig, und möchte auf das Poetische an einem solchen Platz wie dem Augartenspitz hinweisen. Für mich ist momentan von allen Möglichkeiten und Problemen des Augartens das Wichtigste, was momentan auf des Messers Schneide steht und das, wenn man noch lange überlegt, nicht mehr existiert. Der Augartenspitz ist dieser aorta-mäßige und doch so geheimnisvolle Zugang zum Augarten, mehr noch Blickachse. Er verkörpert das Wesen eines Parks, das immer ein Geheimnis durch die Ummauerung ist. Das Wort Paradies bedeutet schon vom Wortstamm her „Das Ummauerte“, das Geheimnisvolle. Diese Umfassung ist so kostbar, sie ist sozusagen die goldene Umfassung für das grüne Juwel dahinter. Und jede Bresche die man da hineinschneidet, stört uns bei unseren josefinischen Erlustigungen, die wir vielleicht in Zukunft dort mit barocken Festlichkeiten ausdrücken, im Sinne des Schätzers, der diesen Ort allen Menschen zur Erlustigung gewidmet hat. Wenn ich mir vorstelle, welche entsetzliche Architektur dort nicht etwa von einer Gruppe sondern vom Schwiegersohn eines Geldgebers und einem ehemaligen Sängerknaben entschieden wird… ich finde das sehr symptomatisch. Es gibt in Österreich momentan mehrere solcher Fälle, wo Sponsoren mit einem Bündel wackeln, und alle Gesetze wackeln offenbar im Gleichzug. Albertina, Salzburger Barockgarten/ Mirabellgarten, wo für eine private Betriebsgesellschaft einer „Sound of Music“-Erlebniskultur das Barockmuseum hochkant rausgeschmissen wird. Und das ist auch so gefährlich an dieser Situation hier. Wir wollen das Friedlich-Ruhige beibehalten, das so ein Ort hat. Und dieser schöne, geheimnisvolle Spitz, der entzückend ist, steht nicht ohne Grund unter Schutz, seit es in Österreich das Denkmalschutzgesetz gibt. Es ärgert mich einfach, dass man als Bürger, der Steuer zahlt – auch dafür, dass so eine Behörde funktioniert – dann alles selber machen muss. Wir müssen es selber schützen. Wir werden es besetzen und ganz festlich mit einem barocken Gelage, mit einer „Festsetzung“, verteidigen.