Raja Schwahn-Reichmanns Rede beim ParkParlament im Aktionsradius Wien, am 13.3.2008

Schwahn-Reichmann wurde kürzlich vom neu gegründeten Josefinischen Erlustigungskomitee zu dessen Sprecherin ernannt und hielt folgende Rede:

Überall, wo man sich im Augarten aufhält und an Theodor Kramer denkt: Das Wichtige ist die Poesie. Ich bin ja auch Stadträtin für Puff und Paradies in der AugartenStadt, in dieser Funktion für alles Schöne zuständig und möchte auf das Poetische an einem solchen Platz wie den Augartenspitz hinweisen. Für mich ist momentan von allen Möglichkeiten und Problemen des Augartens das Wichtigste, was momentan auf des Messers Schneide steht und das, wenn man noch lange überlegt, nicht mehr existiert. Der Augartenspitz ist dieser aorta-mäßige und doch so geheimnisvolle Zugang zum Augarten, mehr noch Blickachse. Er verkörpert das Wesen eines Parks, das immer ein Geheimnis durch die Ummauerung ist. Das Wort Paradies bedeutet schon vom Wortstamm her „Das Ummauerte“, das Geheimnisvolle. Diese Umfassung ist so kostbar, sie ist sozusagen die goldene Umfassung für das grüne Juwel dahinter. Und jede Bresche die man da hineinschneidet, stört uns bei unseren josefinischen Erlustigungen, die wir vielleicht in Zukunft dort mit barocken Festlichkeiten ausdrücken, im Sinne des Schätzers, der diesen Ort allen Menschen zur Erlustigung gewidmet hat. Wenn ich mir vorstelle, welche entsetzliche Architektur dort nicht etwa von einer Gruppe sondern vom Schwiegersohn eines Geldgebers und einem ehemaligen Sängerknaben entschieden wird… ich finde das sehr symptomatisch. Es gibt in Österreich momentan mehrere solcher Fälle, wo Sponsoren mit einem Bündel wackeln, und alle Gesetze wackeln offenbar im Gleichzug. Albertina, Salzburger Barockgarten/ Mirabellgarten, wo für eine private Betriebsgesellschaft einer „Sound of Music“-Erlebniskultur das Barockmuseum hochkant rausgeschmissen wird. Und das ist auch so gefährlich an dieser Situation hier. Wir wollen das Friedlich-Ruhige beibehalten, das so ein Ort hat. Und dieser schöne, geheimnisvolle Spitz, der entzückend ist, steht nicht ohne Grund unter Schutz, seit es in Österreich das Denkmalschutzgesetz gibt. Es ärgert mich einfach, dass man als Bürger, der Steuer zahlt – auch dafür, dass so eine Behörde funktioniert – dann alles selber machen muss. Wir müssen es selber schützen. Wir werden es besetzen und ganz festlich mit einem barocken Gelage, mit einer „Festsetzung“ verteidigen.