Bereits 10.000 Unterschriften gegen die Errichtung im Augarten

Wenn das Pförtnerhäuschen samt Mauer gerettet wird, das Bauprojekt aber direkt daran anschließt, es aushöhlt und überbaut, so ist das, als ob man einen eben erst geretteten Patienten schlussendlich doch erstickt. Ein entkerntes, am Kristall klebendes Pförtnerhäuschen hat keine historische und architektonische Aussage mehr, bestenfalls den Erinnerungswert einer „Kunst am Bau“-Erinnerungs-Briefmarke.

Zum Verlust dieser historischen und architektonischen Lesbarkeit des josefinischen Augartenspitz-Ensembles kommt noch der Verlust des Lebensraumes an diesem Ort. Der Denkmalwert der Augartenspitzsituation ist ihre Poesie – ihr Stimmungswert. Gebildet aus wiedererstandener Natur, gärtchenhafter Struktur und profanen josefinischen Gebäuden, flankiert von einem über diese Situation wachenden nicht unbedeutenden 1880er-Gebäude am Anfang der Castellezgasse. Diese Poesie und Stimmung ist das kostbare und hochaktuelle Geschenk dieses Ortes, inmitten der dicht verbauten Stadt, an alle Anrainer, Zeitgenossen und zukünftige Generationen!

Dass das Thema Augarten viel mehr Menschen als nur eine Handvoll AnrainerInnen tangiert, wird mittlerweile durch unzählige, lokale wie internationale Medienberichte gezeigt. Das bezeugen aber vor allem schon an die 10.000 Menschen aus ganz Wien (und der ganzen Welt!), die bereits gegen die Erbauung einer Sängerknaben-Konzerthalle im Augarten unterschrieben haben.

Obwohl Walter Nettig via Kronenzeitung im Juli ankündigt: „Wir suchen selbstverständlich den Konsens sowohl mit den Bürgern also auch mit den Denkmalschützern“, gibt es seitdem keinen einzigen Versuch einer Kontaktaufnahme durch die WSK. Was die Initiativen verwundert und bestürzt, da die Planung des Konzertsaals offenbar „an einem entscheidenden Punkt angelangt ist“, wie die engagierten Bürger jetzt aus den Medien erfahren.

Die Politik versucht die politische Verantwortung in der Frage des umstrittenen Konzerthallenbaus, wie bei so vielen ähnlichen Themen, abzuschieben. Ebenso bleibt das Bekenntnis zum Leitbildprozess – über dessen Fortgang die teilnehmenden BürgerInnen übrigens seit Monaten nicht informiert werden – vorerst ein Lippenbekenntnis.

Die Bürgerinitiativen kämpfen deshalb weiter für die Aufhebung der Bauwidmungen im Augarten und einen Schutz dieses wichtigen Naherholungsraums. Wer auch immer über den Augarten entscheiden will: Man wird sich ziemlich schwer tun, dabei so einfach über den Willen der BürgerInnen hinwegzusehen.

Weitere Infos:
www.erlustigung.org
www.baustopp.at

Rückfragehinweis:
Raja Schwahn-Reichmann, Josefinisches Erlustigungskomitee: 0676/ 495 31 33
Monika Roesler, Freunde des Augartens: 0664/ 505 58 72