Baumpatenschaften durch prominente Betroffene

Die Initiativen am Augartenspitz, die am 4. April 2008 die „Festsetzung“ des Augartenspitzes mit einem großen Barockfest eingeleitet haben, bekommen nun auch prominente Unterstützung. Um den durch den Sängerknabenkonzertsaal bedrohten Augartenspitz zu schützen, übernehmen Kulturschaffende Patenschaften für die Bäume vor Ort. Momentan sind die Bäume und Sträucher akut durch die Rodung für die Bauvorbereitungen des Konzertsaales bedroht. Seit Sonntag campieren nun daher zahlreiche AktivistInnen vor Ort.

Die Baugenehmigung für den umstrittenen Bau im denkmalgeschützten Park liegt noch nicht vor, der eigentliche Baubeginn wurde seitens der Sängerknaben mit Herbst 2009 angekündigt. Derzeit steht das Baugenehmigungsverfahren bei der Bauoberbehörde, da es zahlreiche Einsprüche im Baubewilligungsverfahren gab.

Der Augarten wird durch die Burghauptmannschaft verwaltet. Der Spitz wird an die Sängerknaben vermietet und seitens des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl den Sängerknaben für ihr Projekt zugesprochen:

Kronen Zeitung (10.03.07), Häupl: „Stehe voll hinter dem geplanten Konzertsaal der Sängerknaben am Augarten-Spitz.“
Wiener Zeitung (17.3.07), Häupl: „Der Platz ist für die Sängerknaben.“

Seit Vorstellung des Projektes im Februar 2006 gibt es Proteste gegen die Verbauung. In kürzester Zeit wurden 3.000 Unterschriften für den Erhalt der Freifläche gesammelt. Insgesamt gibt es bisher weit über 10.000 Unterschriften und viel Unterstützung aus allen Teilen Wiens, aber auch international. Im Leitbildprozess Augarten, der im November 2006 vom Wiener Gemeinderat beschlossen wurde, wurde der Spitz als Konfliktpotential genannt, aber nicht weiter behandelt.

Am 5. Juli um 22.00 Uhr schlugen zahlreiche AktivistInnen vor Ort ihre Zelte auf und campieren seither, um den Spitz für die Öffentlichkeit zugänglich und grün zu erhalten. Es ist seitens des Bauwerbers geplant, in den nächsten Tagen den Bauplatz zu räumen und somit das von den bürgerlichen Lust- und Ziergärtnerinnen liebevoll angelegte und allseits beliebte Spitzgärtchen (inklusive neu angelegtem Spielplatz) zu delogieren, abzusperren, Teile der Büsche zu roden und 20m tiefe Bohrungen durchzuführen.

Unsere prominenten BaumpatInnen freuen sich, durch die feierliche Einweihung „ihrer“ Bäume und Sträucher, sie vor der Rodung zu schützen und die Initiativen zu unterstützen!

Baumpatinnen und Baumpaten:

Barbara Albert, Regisseurin

Ulme oder Rüster (Ulmus)
Baum des Jahres 2006; Im slawischen Volksglauben gilt die Ulme als antidämonisch, Geräte aus Ulmenholz sollen das Böse fernhalten
Die Reben umfangen aus süßem Verlangen die Ulme mit Lust (P. v. Zesen, 1656)

Anne Bennent, Schauspielerin

Eschenahorn (Acer negundo)
Nach dem überlieferten Volksglauben bietet der Ahorn einen wirksamen Schutz gegen Hexen. In Mecklenburg sollen die Hexen von Ställen abgehalten werden, indem Zapfen aus Ahornholz in die Türen und Schwellen eingeschlagen werden. Der gleiche Effekt soll erzielt werden, wenn am 24. Juni Ahornzweige an Türen und Fenster gesteckt werden. Dieses Ritual soll auch vor Blitzschlag schützen.

Hans Hurch, Viennale Wien

Götterbaum oder Himmelsbaum (Ailanthus altissima)

Otto Lechner, Bürgermeister der Augartenstadt, Musiker

Hollerbusch (Sambucus nigra)
Abwehrmittel gegen schwarze Magie und Hexen, schützt vor Feuer und Blitzeinschlag und man soll unter ihm vor Schlangenbissen und Mückenstichen sicher sein. Auch beherbergt er wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ und zu dem Spruch führte, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen müsse
Nachbars Kinder und Nachbars Holunder bannest du nie auf Dauer. Schließest du ihnen die Türe – oh Wunder! – klettern sie über die Mauer. Volksspruch

Robert Menasse, Schriftsteller

Robinie (Robinia pseudoacacia)

Doron Rabinovici, Schriftsteller

Feldahorn (Acer campestre)
In Oberbayern glaubt man, dass recht fette Ahornblätter auf eine gute, ergiebige Ernte hinweisen. Ferner ist auch das Begießen der Wurzeln mit Wein überliefert – damit sollte ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Die Initiativen Josefinisches Erlustigungskomitee und Freunde des Augartens, sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, mit Unterstützung der Grünen fordern:

  • Der Spitz soll öffentlich zugänglich bleiben, weiterhin der Bevölkerung als Erholungsraum zur Verfügung stehen
  • und als direkter Eingang von der U-Bahnstation in den Augarten dienen.
  • Wir wollen Freiraum, den wir selbst gestalten und bespielen. Die Stadt gehört uns allen!

Mit
den Baumpatinnen und –paten,
Raja Schwahn-Reichmann, Josefinisches Erlustigungskomitee
Monika Roesler, Freunde des Augartens
Bürgerinnen und Bürgern

Sabine Gretner, Gemeinderätin, Planungssprecherin der Grünen
Wolfgang Zinggl, Nationalrat, Kultursprecher der Grünen

Zeit: 10:30 Uhr
Datum: Dienstag, 7. Juli 2009
Ort: Am Augartenspitz, Ecke Castellezgasse/ Obere Augartenstraße

www.erlustigung.org
www.baustopp.at
Fotodownload unter: www.erlustigung.org/presse

Advertisements