In Augustin Nummer 407 – 02/2016 ist folgender interessanter Beitrag über den uns und allen Freunden des Augartenspitzerls wohlbekannten Herrn Pühringer erschienen:

Investor Pühringer erregt nun auch Schweizer Gemüter
Der Dorfkönig geht aufs Ganze

Rundgang vor dem Palais Coburg, Foto: Matthias Heckmann

Rundgang vor dem Palais Coburg, Foto: Matthias Heckmann

Haben Sie den Namen schon vergessen? Über alle denkmalschützerische Einwände hinweg, und vor allem an den Interessen der Bürger_innen schnurstracks vorbei, hat der Investor Peter Pühringer mit der Legitimation eines Handschlags mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl eine Konzerthalle für die Sängerknaben in einen unverbauten Teil des Wiener Augartens geklotzt. Die Szenen der «Befreiung» des Areals von den baumschützenden Widerständler_innen durch die Wiener Polizei gingen durchs Netz und erschütterten selbst nicht aktive Beobachter_innen. Von Pühringer ungewolltes Resultat seiner Vorgangsweise zur Absicherung seines Renommier-Projekts: Der Bürger_innenwiderstand nahm originelle, europaweit beachtete Formen an; der Dokumentarfilm von Doris Kittler «Auf die Barockaden» sollte massenhaft im «Politische Bildung»-Unterricht, als Beispiel für zivilen Ungehorsam, zur Anwendung kommen.

Vielleicht wäre der Film jetzt auch für die Bevölkerung von Vitznau am Vierwaldstättersee in der Schweiz höchst interessant (Anmerkung des Erlustigungskomitees: Wir haben bereits 2011 berichtet…). Dort wäre die Bevölkerung froh, wenn Pühringer sich mit einer Konzerthalle auf noch unverbauter Fläche begnügt hätte. Doch Pühringer (möglicherweise fühlt er sich beleidigt von den Wiener_innen, die seinem Projekt mehrheitlich ablehnend gegenüber standen) pflügt, vielleicht als Kompensation, die ganze Schweizer Gemeinde um. «Der Dorfkönig geht aufs Ganze», titelte die Schweizer Wochenzeitung.

Pühringer hat ein Luxushotel errichtet, in dem er selber thront, und plant ein weiteres Luxushotel, und dazu einen Komplex von Appartementhäusern. Er nennt seine Spekulationsobjekte nicht mehr «Investitionen», sondern er spricht von «Donationsprojekten», um Leute, die offiziell Einsprüche gegen die fast feudalherrlich zu nennende Ummodelung eines Fremdenverkehrsortes erheben, moralisch unter Druck zu setzen.

Die Gemeinde ist ein Abhängigkeitsverhältnis geraten. Pühringer hat ihr fünf Millionen Franken geschenkt. Im Gegenzug will der österreichische Investor eine Abstimmung über sämtliche Pühringerischen Zwangsbeglückungen noch im Jahr 2016. Es geht um Gesamtinvestitionen von 240 Millionen Euro. Den dagegen Protestierenden kann aus Wiener Sicht ein Rat gegeben werden, wie sie Pühringer in einen Schockzustand versetzen könnten. Sie könnten die Malerin Raja Schwahn-Reichmann einladen, die in Wien im Kampf gegen Pühringer das «Josefinische Erlustigungskomitee» gegründet hatte, das die Lacher auf ihre Seite brachte. Der Künstlerin würde wohl – noch dazu im 100-Jahre-Dada-Jubiläumsjahr – ein dadaistisches Widerstandsprojekt einfallen. Dada gegen Donation….

R.S.

2016-Augustin-407