Jetzt ist schon wieder etwas passiert. Das Baugitter ist erweitert worden und nun wird das barocke Eingangsportal am Augartenspitz massiv gestört (oder vielleicht sogar doch zerstört?).

Der für das 12 Millionen teure Konzerthallenprojekt beauftragte Architekt Lawugger begründet bei einer Führung während der Architekturwochen, anläßlich der Frage des Publikums nach der Zufahrt zum Urnenportal, dass eine Schräge von der Taborstraße geplant sei, um das Einschwenken der zu erwarteten Schwertransporte (für Bühnentechnik) zu ermöglichen, sei eine Verbreiterung des barocken Portals nötig. Diese wird laut Lawugger so aussehen, dass die Pfeilerstellung verändert und der bisherige Einfahrtsbereich um die danebenliegende Fußgänger-Eingangstür erweitert wird. Die Pfeiler werden entsprechend der Schräge freigestellt, also aus dem Verband mit der bisherigen Mauer gerissen, was einer Zerstörung des Denkmals gleichkommt.

Bei der Führung berichtete der Architekt von einer voraussichtlichen Legitimierung der Zerstörung durch das Bundesdenkmalamt, da die originale, schräge Anordnung der Einfahrt eine zufällige, keine planerisch gestaltete Architektur sei. So Lawugger. „Mit dieser Begründung könnte man viele barocke Anlagen in Wien abreissen, wie beispielsweise die Zufahrten zum Belvedere am Rennweg“, meint Restauratorin Raja Schwahn-Reichmann. „Nachdem bereits die Mauer in der Castellezgasse still und heimlich teilweise abgerissen wurde, um anschließend vermutlich wieder aufgebaut zu werden, könnte auch das Urnenportal zu einer sehr veränderten Stilkopie werden und seine Schutzwürdigkeit damit verlieren. Eigentlich müßte ein so massiver Eingriff ein Ausserschutzstellungsverfahren erfordern, wovon uns aber nichts bekannt ist. Diese drohende massive Zerstörung passiert im selben Jahr, in dem der Magistrat Salzburg am 2. September das Salzburger Barockmuseum geopfert hat, um an dieser Stelle im Mirabellgarten gewinnorientiert weiter vorzugehen, an der das Barockmuseum zu den bedeutendsten spezialisierten Museen Österreichs (Skizzen, Bozzetti und Entwürfe der Sammlung Rossacher) zählte. Diese Sammlung ist der Öffentlichkeit dadurch abhanden gekommen und ins Depot verdammt, die wissenschaftliche Bearbeitung zum Stillstand gekommen. All das wegen einem – ohnehin inzwischen untergegangenen – ‚Sound of Music‘-Projekt.“

So scheint der für die österreichische Kulturlandschaft wichtige und repräsentative Barock in diesem Jahr massiv gefährdet, ebenso wie der identitätsstiftende Jugendstil, wie anhand der laufenden Zerstörung des Otto Wagner-Ensembles Steinhof zu beobachten ist.

Es stellt sich einmal mehr die Frage: Wem gehört die Stadt? „Allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort vom ihrem Schätzer“, steht groß am Eingangsportal der ältesten barocken Gartenanlage Wiens. Am 9. Dezember soll die Konzerthalle der Wiener Sängerknaben eröffnet werden, finanziert durch die Pühringer Privatstiftung. Am 8. März 2010 wurden am Augartenspitz alle Bäume gerodet und die BaumbeschützerInnen mit Gewalt von den Bäumen geholt. Jetzt fällt das barocke Portal mit einer fragwürdigen Begründung und es liegen bereits Pläne zur Rodung des Grüns rund um das Filmarchiv vor, um von der Veranstaltungshalle freie Sicht zu gewähren. Das, obwohl dieser Bereich seit drei Jahren als gemeinschaftliches Gartenprojekt von einer Gruppe aus 50 bis 80 Leuten bewirtschaftet wird und als naturnahe Grünoase ausgezeichnet wurde. Ein demokratisches naturnahes Vorzeigeprojekt und ein Wäldchen mit Jungdachsbau sind bedroht.

Stillschweigend droht dem Augarten weitere Privatisierung. „Wird es ruhig um den Konzertkristall, wartet der schlafende Riese Flakturm. Ein Appartmentprojekt und ein Datenarchiv sollen realisiert werden, obwohl es ein eigenes Kraftwerk brauchen würde, um das Datenarchiv zu betreiben“. Es sollte also nicht still werden um den Augarten zur Weihnachtszeit.