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Ein Artikel der italienischen Casa Vogue, der Beilage der italienischen Vogue, befasst sich mit dem Protest am Augarten! Hier eine Übersetzung:

GREEN
Fröhlicher Protest in Wien. Künstler und Wortspiele versuchen, ein Stück der barocken Geschichte zu retten.

Von Michele Fossi

Zwischen Filmprojektionen, freien Kursen für Bildhauerei und Malerei, farbenfrohen Umzügen in Kostümen und bevölkert von Nymphen, Putten und Dryaden, erfolgt seit nunmehr drei Jahren eine friedliche Besetzung des Augartenspitzes

– eines kleinen Bereichs des Augartens, des ältesten Barockgartens in Wien – durch ein wehrhaftes Komitee von Künstlern, Intellektuellen und Bürgern. Grund für den Streit ist das umstrittene Bauprojekt in diesem Bereich, ein moderner Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben, den Wiener Knabenchor, für deren Verfechter der Augartenspitz nichts weiter ist als ein zweitklassiges Gebiet des Parks, lediglich für das Be-und Entladen der Äste und Laubwerk aus dem angrenzenden Parks gedacht. Diametral anders ist die Meinung der unwiderstehlichen Wiener Künstlerin, die seit Jahren den Aufstand anführt, der leidenschaftlichen Barockliebhaberin Raja Schwahn-Reichmann, Mantegna Preisträger des Jahres 2009, die von vielen (sie einschließend) als posthume Schülerin von Johann Wenzel Bergl, des Hofmalers der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, gesehen wird. „Es wird wie eine Faust aufs Auge passen“, sagt Raja, im künstlerischen Milieu der Hauptstadt bekannt für ihre sinnlichen Malereien, besiedelt von Faunen und Nymphen, und für ihre atemberaubenden Bühnenbilder, die scheinbar einem Gemälde von Rubens oder Tiepolo entsprungen sein könnten. Dann beginnt sie ihr Lamento: «Wien hat mehr an Barock durch Bauspekulationen verloren als durch die Bomben des Krieges. Der Spitz ist ein integraler Bestandteil des Augartens, der nicht zufällig im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Das Gegenteil zu behaupten bedeute, die Komplexität des Gartens zu ignorieren, dessen ästhetisches Gleichgewicht sich auch auf die kleinen, weniger prunkreichen, scheinbar unwichtigen Gebäude stützt. Das widerspricht dem kaiserlichen Willen.» Im Jahr 1775 wurde der Augarten, auf Anordnung von Kaiser Joseph II., tatsächlich als erster privater Park der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. «„Allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort” ist auf einer Marmortafel aus dieser Zeit zu lesen. Wir vom Komitee verstehen uns als die unmittelbar Ausführenden dieses Willens und wir betreiben, im spielerischen Geist des Barock, unser „Pro-fest”. Gegen wenige Privatinteressen, zu Gunsten der Bürger und unter Beachtung der Wünsche des Kaisers. Ja, Sie haben richtig gehört, „Pro-fest”», schließt sie lachend. «Hinter den Barockaden, die wir als Verteidigung aufgebaut haben. Es ist die Aufgabe des Künstlers die Kunst zu schützen, auch mit Wortspielen, auf friedliche Art und Weise; aber nicht minder subversiv.»

Bilder des Augartens, des barocken Wiener Parks. Für die Öffentlichkeit zugänglich seit Kaiser Joseph II im Jahre 1775. Hier sichtbar sind der Hauptteil des Gartens und das Eingangsportal. Die gerenderten Illustrationen hingegen zeigen den neuen Konzertsaal, der für die Wiener Sängerknaben, den Kinderchor der österreichischen Hauptstadt, errichtet werden soll. Obwohl er in einem sekundären Bereich Zone des Parks vorgesehen ist, wird er vehement durch ein Komitee bekämpft, das die Harmonie des Ensembles bewahren will.

Fotos: Mario Lang, Aktionsradius Wien

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