Offener Brief einer Anrainerin und besorgten Bürgerin an Herrn Gerald Wirth, künstlerische Leitung Wiener Sängerknaben

brief-an-wirthSehr geehrter Herr Senator Nettig,
sehr geehrte Medienvertreterinnen und –vertreter,

nachdem mein Schreiben an Gerald Wirth (siehe Anhang), künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben, sowie ein schon länger zurückliegendes Mail an Sie, Herr Senator Nettig, bisher unbeantwortet geblieben ist, ist es mir ein Anliegen, meinen Standpunkt in Sachen Konzerthalle der Wiener Sängerknaben öffentlich darzulegen, zumal in manchen Medien einseitig über die Vorgänge am Augartenspitz und die dort handelnden Personen berichtet wurde.

Alle von Ihnen, die dieses Mail erhalten, stehen entweder in beruflichem Kontakt mit mir oder haben bereits über die Vorgänge am Augarten berichtet.

Es handelt sich bei den Menschen, die sich am Widerstand gegen das Bauprojekt (AN DIESEM STANDORT) beteiligt haben, keineswegs um „militante Aktivisten“ oder „Berufsdemonstranten“, wie diese mancherorts immer wieder bezeichnet wurden, sondern um durchaus demokratisch gesinnte, kulturinteressierte und kulturbegeisterte Bürgerinnen und Bürger aller Berufe, von Ärzten und Rechtsanwälten über Medienmenschen und Künstlerinnen und Künstler bis zu wahrlich ehrenhaften Pensionistinnen und Pensionisten. Dass der harte Kern der Besetzer zu Aktivismus neigt ändert nichts an den in meinen Augen berechtigten Anliegen vieler tausender Menschen, denn leider: Nur wer laut ist, wird offenbar gehört.

Wie begründet die Sorge um die diversen Verbauungspläne um Augarten ist und wie gar nicht neu, mag Ihnen ein Artikel aus dem Jahr 1971 (!) erläutern.

Fakt im Fall der Diskussionen rund um die Konzerthalle der Wiener Sängerknaben ist:

  • dass das von Bürgermeister Häupl in „Wien heute“ (Juli 2009 FS1) angekündigte Gespräch mit den Konfliktparteien nie stattgefunden hat;
  • dass der von den Vertretern der Wiener Sängerknaben im „Bürgeranwalt“ (Jänner 2010 FS2) angekündigte runde Tisch nicht stattgefunden hat;
  • dass die strittigen Punkte betreffend Denkmalschutz und Naturschutz bisher nicht geklärt wurden und dass Sie, Herr Senator Nettig, somit irren, wenn Sie feststellen, dass „alles rechtens“ sei;
  • dass die Beharrung auf just diesem sensiblen Standpunkt für eine Konzerthalle im Augarten nicht nachzuvollziehen ist;
  • dass die Meinung von mittlerweile über 12.000 Menschen, die sich mit Ihrer Unterschrift gegen den Bau der Konzerthalle IM AUGARTEN ausgesprochen haben, schlicht ignoriert wurde;
  • dass im Hintergrund laufende „Mediations“-Angebote und Gespräche offenbar reine Hinhaltetaktik ohne ernsthaften Wunsch nach einer konstruktiven Lösung waren.

Angesichts der erst kürzlich mit großem Aufwand betriebenen Volksbefragung in Wien mit der großen Betonung, an der Meinung der Menschen dieser Stadt interessiert zu sein, halte ich die Vorgänge rund um die geplante Konzerthalle der Wiener Sängerknaben ausgerechnet im Augarten für äußerst traurig und für eine absolut sinnlose Konfrontation zwischen an sich einander nahe stehenden kulturinteressierten Menschen.

Ich finde es sehr schade, dass es offenbar nie ernsthafte Bemühungen von Politik und den Wiener Sängerknaben gab, ihr Bauprojekt an einem anderen Standort durchzuführen.

In jedem Fall danke ich Ihnen, den MedienvertreterInnen, im Namen der Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Erhalt eines unbebauten Augartenspitzes eingesetzt haben, für Ihre bisherige Berichterstattung. Auch für die kritische, denn wichtig ist immer die öffentlich Diskussion in solchen Dingen und die mediale Wahrnehmung. Nur aus Information und Diskussion kann Positives entstehen. Wenn in diesem Falle meiner Ansicht nach allerdings leider nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Beate Scholz

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