LeichteWinter_Soldaten-FrauEine Gelegenheit für alle LiebhaberInnen des Augartenspitzerls, dortselbst im geheizten Zelt einige Dokufilmarbeiten von Doris Kittler in gemütlicher Atmosphäre anzuschauen. Da ja immer noch tiefer Winter herrscht und es in den Filmen oft um Kälte geht, wird Doris‘ 150 Jahre alter Samowar für heißen Tschai sorgen. Nach den Vorführungen gibt es Gelegenheit zum Gespräch mit der Filmemacherin.

Termine:
Mo, 08. Februar, 20.00 – Leichte Winter
Mo, 15.
Februar, 20.00 – Mischa
Mo, 22.
Februar, 20.00 – Gemma Gürtelkäfig /plus Überraschungsfilm
Ort: Augartenspitz

Leichte Winter | Doris Kittler | 2004

LeichteWinter_OrdenD/Ö, Dokumentation; 83min, OmU

Europa blickt Richtung Osten. Du begibst dich in die ehemalige Sowjetunion, weit weg vom trauten Nest Mitteleuropa. Schnell wird die neue Umgebung aufgesogen. Im Schwanken zwischen Neugierde auf Fremdes und Sehnsucht nach Vertrautem stellt sich unmittelbar die Frage: Was ist Heimat? Wie begegne ich mir und einer Welt, die anders ist, während ich selbst Exotikum bin?
LeichteWinter_PriesterDie Erfahrungen, die unsereins macht, wenn er eine gewisse Zeit seines Lebens etwa in Sibirien verbringt, sind schräg, widersprüchlich, witzig, brutal und faszinierend. In jedem Fall aber löst ein solcher Aufenthalt höchst ambivalente Gefühle aus und mündet in einem radikal und intensiv erlebten Zustand.
Die Begriffe Kulturschock und Globalisierung werden kaum voneinander zu trennen sein, wenn dereinst von dieser Jahrtausendwende die Rede sein wird. Hier wird die Sicht derer gezeigt, die diesen Prozess der Begegnung durchleben und verändert zurückkehren.

„(…) Leben in der Fremde: im Winter bei 35 Minusgraden zum Beispiel. Und wenn man sich, so eine junge Deutsche in Russland, mit den alltäglichen Ausfällen der Strom- oder Wasserversorgung nicht arrangiere, dann sei man hier gleich einmal fehl am Platze. Die junge Wiener Filmemacherin Doris Kittler hat selbst zwei Jahre in Sibirien gelebt (…). In der Dokumentation „Leichte Winter“, unternimmt sie eine Annäherung an eine fremde Umgebung, die ihre Qualität vor allem einem Zugang verdankt, der den Blick von außen zum integrativen Bestandteil macht, ihn ausweist und vervielfältigt.“ (Isabella Reicher, Der Standard)

(…) Man erfährt dabei nicht nur etwas über materielle Lebensgrundlagen oder versiegende Winterromantik („Es ist immer dasselbe: ein eisiger, grauer, mehliger Brei, der vom Himmel bis zur Erde runtergeht“), über Sowjetnostalgie oder ostchristliche Traditionen, sondern auch über die für „Westler“ ungewohnten Konfigurationen von öffentlicher und privater Sphäre oder über das Fahrverhalten georgischer Autofahrer („Der Griff zum Gurt ist eine Beleidigung für den Fahrer“). Und manch einer gewinnt in der Fremde das Gefühl, sich „zum ersten Mal selber ganz reell und authentisch“ zu begegnen. (Michael Omasta, Falter)

Mischa | Doris Kittler | 2001

RF/Ö, Dokumentation; 52min, OmU

Tomsk, Sibirien. Winter 2001. Der angeblich härteste seit 40 Jahren. Mischa, ein dreijähriges Mädchen, lebt mit ihrer Familie in einem Holzhäuschen mitten im Zentrum. Sie präsentiert ihre Welt, führt durch die Straßen Tomsks, zeigt Leben und Menschen der Stadt.
„Tomsk ist eine sehr schwierige Stadt zum Leben. Ich würde sogar sagen, zerstörerisch. Um hier gut zu leben, muss man sich an sie anpassen. Ich kann nicht einfach so weggehen. Deshalb muss man sich was ausdenken: Kunst, Musik, das ist ein Weg, wie man mit minimalstem Verlust durch diese Stadt gehen kann (…). Hier ist nicht der Ort, wo ich am liebsten leben will. Aber ich weiss sicher, dass dies einer der besondersten Plätze der Welt ist…“

Gemma Gürtelkäfig | Doris Kittler | 2006

Ö, Dokumentation; 25min

GK_filmstillSechs Wiener Jugendliche mit Wurzeln am Balkan zeigen ihr Alltagsuniversum und flanieren mit uns an Orte, die ihnen in ihrer Freizeit und Freiheit heilig sind. Cargla, deren Eltern aus der Türkei stammen, verbringt die meiste Zeit auf der Straße. „Ich hab schon eine Familie, aber ich weiß nicht, wo die ist. Für mich ist es egal, ob wir zu Hause zusammen leben oder nicht.“ Mit ihrer besten Freundin Pashke bummelt die Sechzehnjährige durch Parks, tanzt nach Klängen aus Südosteuropa und spielt in Sportkäfigen zwischen mehrspurigen Autostraßen mit ihren Freunden und Freundinnen Fußball. Ümit, Vlada und Bobby sind ebenfalls dicke Freunde, die sich beinahe täglich an irgendeiner Ecke treffen. Ob im Internetcafé oder beim Billardspielen: wichtig ist das Vergessen von Zeit und Raum. Während die burschikose, wie sensible Buket ihre Freizeit schon immer im Jugendzentrum verbringt, träumt Ümit von einer Karriere als Rapper, begleitet von seinem Freund, dem Beatboxer Vlada. Weit abseits von Schulen und Arbeitsämtern … einmal so gut sein, wie sein Idol, der türkische Rapstar Ceza – das wär’s.

„Gut, dass sich ein Film (…) der Alltagsbetrachtung hingibt; einer, die sich im aneinander Vorbeileben an öffentlichen Plätzen nicht erschöpft, sondern Einblicke gewährt. (…) Besonders wertvoll, den Raum zu bieten die Theorie über Menschen und das Leben dieser Menschen wieder zusammen zu führen und dies zugänglich zu machen. Ein Raum, der sowohl für die Gezeigten als auch für die Sehenden die Selbstreflexion über den eigenen Alltag in unserer Stadt und die Vorurteile über Menschen, die man/frau eben nur vom Vorübergehen kennt, eröffnet; nicht nur im Film, sondern in der stattfindenden Rezeption.“ (Charlotte Le Jeune, connectingculture)

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