Shinano_Mainichi_01_12_09Wir freuen uns, dass unsere Arbeit auch international immer wieder Beachtung findet, hier als Beispiel ein unlängst in 2 Ausgaben einer der größten japanischen Tageszeitungen erschienener Artikel (Übersetzung ohne Gewähr)

„Geplanter Platz ist Erholungsgebiet“
Sorge um Lärmbelästigung. Protestierende sind bereit für einen harten Kampf und übernachten im Park

Im Jahr 2006 haben die als „Engelsstimmen“ bekannten Wiener Sängerknaben erstmals in ihrer mehr als 500-jährigen Geschichte einen Plan für einen eigenen Konzertsaal vorgelegt. Allerdings liegt die geplante Baustelle mitten in einem öffentlichen Park, der zentral in der Stadt liegt und als Naherholungsgebiet für Bürger bekannt ist. Die Bewohner rund um den Park haben gegen die Pläne Einspruch erhoben und scharfe Proteste angekündigt, dass ein Teil des Parks dem Konzertsaal geopfert wird. Zudem sind Lärmbelästigungen zu befürchten. Protestierende übernachten sogar im Park und sind bereit für einen noch härteren Kampf.

„Für die Entwicklung der Kinder ist es unbedingt notwendig, einen eigenen Saal zur Verfügung zu haben“, betont der Präsident der Wiener Sängerknaben, Walter Nettig (74). Die Wiener Sängerknaben wurden als kaiserlicher Kirchenchor in Jahr 1498 gegründet, zur Zeit gehören etwa einhundert 10- bis 14-jährige Buben dem Chor an. Sie absolvieren rund 300 Konzerte im Jahr. Aber einen eigenen Saal für ihre Konzerttätigkeit haben sie noch nie gehabt. Nun planen sie den Bau des Konzertsaals mit 380 Sitzen im Wiener Augarten, einem bekannten öffentlichen Park.

„Die Platz ist ideal, weil das Hauptquartier der Sängerknaben und das Internat der Buben direkt neben dem geplanten Saal liegen“, sagt der Vorsitzende Nettig. Beabsichtigt war, 2008 mit dem Bau zu beginnen und auch über die jährliche Pacht in Höhe von 10.000 Euro war man sich mit der österreichischen Regierung einig.

Sanyo_Shinbun_01_12_09„Dieser Platz gehören allen Bürgern. Warum können die Sängerknaben ihren Saal nicht an einem anderen Ort bauen?“, empört sich einer der Protestierenden, Herr Winkler (40). Der Augarten war früher Privatbesitz der Habsburger und wurde 1775 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem ist er als Naherholungsgebiet der Wiener Bürger sehr beliebt.

Die protestierenden Bürger haben seit der Veröffentlichung der Baupläne zahlreiche Einsprüche erhoben. Seit zwei Jahren übernachten sie auf dem geplanten Bauplatz in provisorischen Zelten. Eine weitere Befürchtung der Anrainer ist, dass Lärmbelästigungen und Luftverschmutzung durch die Autos und Busse von Besuchern rasant ansteigen. „In Wien gibt es genügend Konzertsäle, warum muss man mit Gewalt noch einen weiteren bauen?“, seufzt Frau Raja Schwahn-Reichmann. Sie ist in der Nähe geboren.

Im Oktober 2009 wurde als Bauvorbereitung eine Probebohrung durchgeführt, seither sind die Spannungen zwischen den Sängerknaben und den protestierenden Bürgern ständig größer geworden.

Präsident Walter Nettig schlägt als Kompromissvorschlag vor, die Größe des Saals zu verkleinern und die Parkmöglichkeiten für Autos und Busse weiter von den betroffenen Wohnhäusern entfernt zu verlegen. Aber auf den Bau des Konzertsaals in unmittelbarer Nähe des Hauptquartiers der Sängerknaben will er auf keinen Fall verzichten. Der Baubeginn ist für Anfang 2010 geplant.

Die protestierenden Bürger appellieren, den historischen Augarten zu erhalten und begründen ihre Proteste auch mit dem Hinweis auf den bestehenden Denkmalschutz. Die Vertreterin der Bürgergruppe Herta Wessely (69): „Wir sind nicht gegen die Sängerknaben, sondern gegen den Verbau des Augartens!“

Kyodo News / Takashi Morioka
Erschienen in zwei Regionalausgaben einer der größten Tageszeitungen Japans, „Shinano Mainichi“ und „Sanyo Shinbun“

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