Menschenkette-7.NovemberSehr geehrter Herr Bürgermeister!

Wir freuen uns, Ihnen heute sehr viele Blumen überreichen zu dürfen.
Jede Blume steht für einen Menschen, der Sie bittet, unseren Augarten zu schützen und dem Verein Wiener Sängerknaben einen guten Bauplatz anderswo (oder ein geeignetes Gebäude) anzubieten. Wir, die Freunde des Augartens und ihre Anhänger, sind mehr als zehntausend Wiener und Wienerinnen und in Wien stationierte Ausländer sowie Touristen.

Wir suchen seit längerer Zeit ein Gespräch mit Ihnen, seit 14. Juli.
 Unter anderem stimmt es uns traurig, dass die Stadt Wien keinen Protest gegen die Vorgangsweisen der Bauwerber und ihrer Förderer laut werden ließ!
Der von der Burghauptmannschaft mit dem Verein Wiener Sängerknaben abgeschlossene Pachtvertrag ist (wahrscheinlich wohlweislich) immer noch ein Geheimdokument. Allein die Pacht mit nur 10.000 Euro pro Jahr für über 1.000 Quadratmeter Baugrund im Herzen der Stadt ist entweder ein Geschenk oder eine verdeckte Förderung, die weder dem EU-Recht noch unseren eigenen Gesetzen entspricht.

Der Pachtvertrag zeugt darüber hinaus von einer ungeheueren Missachtung der Stadt Wien, ihrer Bezirksvertretungen (die einhellig gegen Neubauten im Augarten sind) und der interessierten Bürger! Er wurde nämlich in den letzten Tagen des Jahres 2007 abgeschlossen – in aller Eile: zu Beginn des vom Gemeinderat mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossenen und in Auftrag gegebenen Leitbildes für den Augarten!

Weiters wurde und wird seit Juli auf der Baustelle im Grundwasser gebohrt. Bis zum 12. August fehlten die dafür erforderlichen Genehmigungen. Die nach dem Naturschutzgesetz erforderliche Bewilligung fehlt nach wie vor; dafür wurde gar erst Anfang Oktober 2009 angesucht!

Wir verstehen überhaupt nicht, wieso Beamte der Stadt Wien Leuten, die sie derart missachten, voreilig Genehmigungen ausstellen. So wie etwa für das Roden von gesunden, unter das Wiener Baumschutzgesetz fallenden Bäumen. Von schwerwiegenden Auswirkungen des Bauprojektes auf das Stadtbild ganz zu schweigen! Wir, die Anrainer und Besucher des Augartens, werden dieses höchst umstrittene Entziehen von öffentlicher Grünfläche nicht ohne weitere Proteste und zähen Widerstand zulassen. Wir betrachten es als unsere Bürgerpflicht, die Republik Österreich und das Land Wien vor gravierenden Verlusten von öffentlichem Eigentum zugunsten eines privaten Vereines zu schützen: Es geht um unversiegelte Grünfläche, um öffentlich zugängliche Erholungsmöglichkeiten, um einen attraktiven Treffpunkt inmitten der Stadt und um die historische Substanz eines denkmalgeschützten Gartens.

Wir fordern Sie daher auf, mit uns ins Gespräch zu kommen und eine für den Verein Wiener Sängerknaben annehmbare Lösung zu suchen, die nicht auf Kosten der Bevölkerung und deren Lebensqualität und ohne Beeinträchtigung eines einzigartigen kulturellen Erbes möglich sein muss.

Wien, am 7.November 2009

Die Bürgerinitiativen:
Verein Freunde des Augartens
Josefinisches Erlustigungskomitee
Aktion21
Plattform Augarten
Mütter und Väter für den Augarten

und andere